In fünf Tagen endet die Frist für die DJS-Bewerbung 2012. In unserer Schülerzeitung erzählen wir von unseren Recherchen zur Probereportage im letzten Jahr.

Das ist Simons Recherche, Max’ Recherche, Hakans Recherche

Gerade habe ich gelernt, wie das Mahnverfahren im Zivilrecht funktioniert. Wird gegen den Mahnbescheid kein Widerspruch erhoben, so erteilt das zuständige Gericht einen Vollstreckungsbescheid. Wenn aber doch, kommt es zum Prozess.

Klingt irgendwie auf Anhieb nicht so spannend werden sich die meisten denken. Und haben damit vollkommen Recht. Allerdings bleibt mir nichts anderes übrig, denn ich habe mich eben für Jura entschieden.

Seit Monaten besteht mein Leben aus früh aufstehen, in der Bibliothek zuschauen, wie die Sonne auf- und wieder untergeht und meinen Heimweg anzutreten. Zwischendurch kämpfe ich mich durch den Paragraphendschungel.

Doch diesmal sollte sich alles zum Guten wenden. Es ist Montag. Ich freue mich schon auf den „Spiegel“, der zu Hause auf mich wartet; raus aus dem juristischen Kauderwelsch und rein in die Welt, die wirklich interessiert.

Beim emsigen Lesen merke ich irgendwann, dass meine Konzentration nachlässt und ich das mache, worüber sich jeder Werbeinserent freut. Ich schweife ab und lese die Anzeige auf der rechten Seite. Es ist nur eine kleine Spalte mit der Überschrift Deutsche Journalistenschule.

Ich habe keine Ahnung, was sich darunter verbirgt und lese weiter…

… Ein Master in Journalismus. Interessant. Schon als kleines Kind wollte ich schreiben – und wurde herbe enttäuscht, als meine Mutter mir mitteilte, die Geschichte von Free Willy sei sicherlich schon geschrieben worden.

Mein Interesse war geweckt. Schnell die Internetseite der DJS gesucht. Dabei festgestellt, dass es scheiß viele DJ´s in Deutschland gibt. Als ich die Seite genauestens studiert hatte, war mir klar, dass ich dahin musste.

Die Tage danach, verbunden mit weiteren Recherchen (ich fühlte mich jetzt schon wie ein investigativer Journalist) haben mir jedoch schnell die Augen geöffnet. 2000 Leute wollen sich da jedes Jahr bewerben? Ein Drittel schickt dann wirklich die Reportage ein und am Ende bleibt der kümmerliche Rest von 45 Bewerbern übrig? Hmm, mein schon fest eingeplanter Chefsessel beim Spiegel begann zu wanken.

Dem „How I met your mother- Fieber“ verfallen dachte ich mir einfach nur: „Challenge accepted“ und überlegte mir, wie man eine Reportage überhaupt schreibt.

 

Nach langem Nachdenken ging es mir so wie wahrscheinlich vielen anderen, ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung. Null Praktika stehen bei mir zu buche, nicht einmal bei der Abi-Zeitung hatte ich mitgeschrieben.

Da blieb nur noch eine Lösung: Amazon! Flink hatte ich Reportage, Journalismus und was weiß ich noch eingegeben und siehe da – es gab Unmengen an Bücher, die mir erklären wollten, wie ich richtig zu schreiben hätte. Wolf Schneider, mir persönlich komplett unbekannt, war richtig gut bewertet und galt als Koryphäe. Gekauft! Walther von La Roche – Bewertung „Dieses journalistische Standardwerk“- gekauft! „ABC des Journalismus“. Klingt wie Journalismus für Dummies, also genau meine Kragenweite. Gekauft! 100 € hatte mich dieser Shoppingwahn gekostet. In der darauffolgenden Woche habe ich dann alle Bücher bis aufs Impressum genau studiert und fühlte mich für die Reportage gewappnet.

Für meinen Artikel über den Flohmarkt habe ich dann über eine Woche gebraucht, immer wurde noch ein Satz verändert, hier gekürzt, da komplett weggestrichen, mein Drucker lief auch Hochtouren um mir immer wieder die aktuellste Fassung zu liefern.

Und dann war sie fertig – die erste Reportage meines Lebens. Beim Schreiben hatte ich jedoch vieles, was in den schlauen Büchern stand, schon wieder vergessen, sodass ich nicht ihren, sondern letztendlich doch meinen Stil eingebracht hatte. Ein Glück, wie sich letztendlich herausstellen sollte, denn ich wurde zur zweiten Runde eingeladen und schlussendlich kann ich mich jetzt sogar Schüler der DJS nennen.

 

Was man aus meinem Weg zur Journalistenschule lernen kann:

 

  1. Es lohnt sich für die DJS, eine Anzeige im Spiegel aufzugeben. Es gibt tatsächliche Menschen die das lesen
  2. Auch ohne journalistische Vorbildung ist es möglich, an dieser Schule angenommen zu werden, ich bin da kein Einzelfall
  3. Bücher über Journalismus zu kaufen ist kein Erfolgsgarant dafür, in die zweite Runde eingeladen zu werden; man braucht vielmehr Talent fürs Schreiben und auch das Glück darf nicht fehlen

Das war die Recherche. Die Reportage findet ihr hier

 

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