In fünf Tagen endet die Frist für die DJS-Bewerbung 2012. In unserer Schülerzeitung erzählen wir von unseren Recherchen zur Probereportage im letzten Jahr.

Das ist Hakans Recherche, Max’ Recherche, Simons Recherche

Den ganzen Tag im Zug sitzend, hoffen, dass man kontrolliert wird. Passiert nicht. Am nächsten Tag wiederholen, ein ganzes Buch durchlesen, dann nach den Fahrscheinen gefragt werden.

„Die Fahrscheine, bitte!“
„Hier. Ich hab’ mal eine Frage. Ich will Sie gerne bei der Arbeit begleiten.“
„…., wie bidde?“
„Ich will Journalist werden.“*
„Oh, achso. Na dann. Neee lassense mal, das geht nicht.“
„Warum?“
„Isverbotendürfenwanicht.“
„Verstehe ich nicht. Ich komm’ ja nur mit.“
„Ja, aber das dürfen wir nicht. Da müssen Sie an die Zentrale.“
„Und wenn ich Sicherheitsabstand einhalte?“
„Witzig. Aber nein, das ändert nichts. Tut mir leid. Ich mach’ mal weiter.“
„Guten Tag. “

*sagte ich nicht, finde es aber witzig, das hier so in den Raum zu stellen.

Anruf bei der Service-Nummer der Bahn

„S-Bahn-München, XYZ mein Name, wie kann ich Ihnen helfen?“
(Tief Luft holend, reicht locker für 30 Sekunden)
„Hallo! Hakan mein Name. Ich werde mich an der DJS bewerben. Dafür muss ich eine Reportage schreiben…“ (Sekunde 6)
„Sie sind nicht der erste, der uns anruft.“
„Oh. Okay. Und beantwortet das meine Frage?“
„Ja, in der Tat. Sie sind zu spät dran.“
„Das wüsste ich aber. Die Deadline ist erst in drei Wochen.“
„Ja, das mag sein. Aber das ist ein organisatorischer Aufwand. Sie können nicht einfach mit einem Kontrolleur mitgehen.“
„Ich scheiterte bereits.“
„Eben. Das muss organisiert werden. Die S-Bahn ist ein großer Konzern, das geht nicht einfach von jetzt auf gleich.
„Also ist da nichts zu machen?“
„Nein.“
„Okay. Danke. Ciao.“

Da mein Netzwerk glücklicherweise auch Menschen beinhaltet, die bei der S-Bahn arbeiten, rufe ich einen dieser Menschen an, lasse mir die Nummer von einem Kontrolleur geben, erkläre ihm den Plan und treffe mich mit ihm in einem Café.

„Hi. Ich begleite Sie also bei der Arbeit.“
„Nein.“
„Warum?“
„Was ist, wenn Du Dir ein Bein brichst, he? Wer haftet denn dann? Ich. Nein, die Bahn. Wir sind verantwortlich. Du musst das offiziell regeln.“
„Geht nicht, da bin ich zu spät dran.“
(langweiliges Hin und Her, in dem ich mich erfolgreich bemitleide und er mir dabei zuhört)
„Okay, wir machen das so. Das hier ist die Visitenkarte meiner Chefin. Du gehst am Montag hin, in der Früh, um 9 Uhr, Du erwähnst meinen Namen nicht und fragst noch einmal.“

Ich, Montag, Ostbahnhof, 9 Uhr, erster Stock.

„Frau XYZ?“
„Ja?“
(Thema erklären)
„Das kann ich nicht entscheiden. Da müssen Sie meinen Chef fragen. Der ist aber in einer Besprechung. Wenn Sie wollen, können Sie ja warten.“
„Okay.“

Eine Stunde in einem Zimmer, ein wenig trostlos, aber mei. Kriege Kaffee angeboten, jedoch keine Zigaretten. Da ich nicht rauche, ist das aber auch kein Problem. Irgendwann Auftritt Chef, PR-Abteilung. Tür noch nicht ganz zu, ich fang aber schon mal an.

„Hallo. Mein Name ist Soundso, ich will diesunddas, es geht nicht, weil blablabla, können Sie mir helfen?
„Sie schreiben den Artikel aber nicht verdeckt, oder?“
„Ne, nur für die DJS.“
„So, so. Und würden Sie uns den Artikel auch zur Verfügung stellen?“
„Bitte?“
„Wir bei der S-Bahn München haben eine Zeitschrift. Da können Sie ja den Artikel auch veröffentlichen. Das ist bestimmt toll, wenn die Kontrolleure und Kontrolleurinnen sehen, wie ihre Arbeit gewürdigt wird.“
„Klar, prima. Unbedingt. Naja, ne, vielleicht. Reden wir einfach später noch mal darüber.“
„Dann schauen wir doch mal, wie wir das machen können.“
„Es hieß, es dauert recht lange.“
„Ja, das stimmt so. Aber in Ihrem Fall machen wir eine Ausnahme. Das geht bestimmt.“

Wir gehen rüber.

„Na, können wir den Herrn unterbringen?“
„Klar, in fünf Minuten startet eine Schicht. Ist besser, wenn er nicht“ (hier sagte sie einen Fachterminus, der mir partout nicht einfallen will, „fährt, sondern weiter draußen. Da kann er sie besser beobachten.“
„Bestens. Wie finden Sie das?“
„Ich? Wie jetzt? Jetzt? Gleich?“
„Ja.“
„Okay, cool. Ich kann.“

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Und das war’s. Die Reportage habe ich damals hier online gestellt.

(Bild via Tilo 2007)