In fünf Tagen endet die Frist für die DJS-Bewerbung 2012. In unserer Schülerzeitung erzählen wir von unseren Recherchen zur Probereportage im letzten Jahr.

Das ist Max’ Recherche. Simons Recherche, Hakans Recherche

Auch schon wieder über ein Jahr her das Ganze. Mal sehen wie weit die Erinnerung mich noch trägt. Vier Themen standen zur Auswahl. Dass es der Flohmarkt nicht werden würde, war von vornherein klar. Grund: totale Öde. Und das damit verbundene Kalkül, dass die Chancen derjenigen, die sich für ein aufregenderes und schwierigeres Thema entscheiden, automatisch steigen. War dann nicht so. Ich glaube, die Hälfte meiner Klassenkameraden in der Masterklasse waren auf Flohmärkten. Ich nicht. Ich hab auch keine Kontrolleure begleitet. Grund: gescheiterte Recherche. Anruf bei der S-Bahn. “Nee, das geht nicht.” Damit war dieses Thema erledigt. Aber eigentlich ist ja auch der Bundeswehr-Rekrut das spannendste Thema. Trifft sich gut, dass mein Bruder 2010 Abitur gemacht hat. Dumm nur, dass in seiner Klasse nur drei Leute zum Bund gegangen sind, und sich da “leider nichts machen lässt”.

DER Hangout unter Soldaten: soldatentreff.de

Es gibt immer den offiziellen Weg. Dienstweg. Den gehe ich jetzt und lerne viel über Regimente und Presseoffiziere. Derzeit wollen aber nicht nur DJS-Aspiranten, sondern eigentlich die ganze Presselandschaft über die letzten Wehrpflichtigen berichten. Prioriät für angehende Journalistenschüler: Nicht sehr hoch. Aber so leicht gebe ich nicht auf. Ich durchsuche dieses Internet und stoße auf abgefahrene Dinge: Zum Beispiel soldatentreff.de. Hier wird gerade extrem viel über die Gorch Fock diskutiert. Die meisten halten zu Guttenberg. Weiß ja noch keiner, dass er kein Doktor ist. Soldatentreff also. War eigentlich klar, irgendwo müssen sich auch die Leute unterhalten. Es gibt einen Thread, in dem sich die zukünftigen GWDLer zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen. Ich schreibe alle Rekruten, die in Bayern Dienst tun werden, an. Aber die haben alle keine große Lust auf Reporter. Ich bleibe dran. Auf bundeswehrforum.org finde ich schließlich jemanden, der sich bereit erklärt, mit mir zu sprechen. Am 2. Weihnachtsfeiertag 2010, in einem Dorf bei mir um die Ecke. Grandios. Journalistenschule, ich komme. Zu früh gefreut. Der Gefreite bekommt über die Feiertage kalte Füße und sagt mir ab. Angst vor einem jähen Ende der Offizierslaufbahn, falls raus kommt, dass er mit der Presse geplaudert hat. Keine Ahnung was der Junge für Vorstellungen hatte, für mich bedeutet das allerdings, dass ich wieder bei Null anfangen muss.

Dann eben Daniel Düsentrieb

Auf Flohmärkte will ich nicht. Bleibt nur der Erfinder. Scheiße, wo nehm ich denn Anfang Januar einen Düsentrieb her, der auch noch halbwegs interessant ist. Spiele-Erfinder sagen mir reihenweise ab. Sind gerade im Stress, weil die Spielzeugmesse in Nürnberg ansteht. Wieder was gelernt. Es gibt Spielzeugmessen in Nürnberg. Toll. Nächste Idee: Erfinder sterben doch bei dem Patentwahnsinn ohnehin aus. Unternehmer, Start-Up-Gründer, das sind die neuen Erfinder. Auf dem Gymi gab es doch Alex, der mit 16 schon zwei Internet Start-Ups gegründet und verkauft hatte und dann irgendwann um 2000 rum einen Steroide-Laden in der Sendlinger Straße hatte. Der könnte spannend sein. Ich stalke ihn auf Facebook. Er hat mittlerweise drei Firmen, die erfolgreichste eine Model-, bzw. Hostessen-Vermittlung. Die Facebook-Fotos sehen hammer-glamourös aus. Alex im Smoking aus dem Auto steigend mit zwei Schönheiten im Arm. Wieso will ich nochmal Journalist werden?

Im Vorgespräch klagt Alex über den Verfall seines eigenen Unternehmertums. “Das meiste ist Copycat-Kram, die spannenden Sachen machen Andere.” Andere hab ich aber grad nicht zur Hand. Wir verabreden uns auf einen Kaffee. Alex sagt ab. Alex ist nicht mehr erreichbar. Wundervoll. Aber Rainer, der mal bei mir gewohnt hat und damals auf der Suche nach Investoren für seine Idee für stapelbare Salatbeete war, meldet sich unverhofft: Er ist bis Ende des Jahres in Argentinien. Schön für ihn. Am 3. Januar ist meine Chance auf die DJS auf ca. 12% gesunken. Tendenz sinkend. Fatalismus macht sich breit. Kurz vor der totalen Resignation reaktiviere ich den ursprünglichsten Gedanken. Den Dienstweg gehen. Ich nerve Presseoffiziere. Einer aus Bad Reichenhall macht versehentlich eine vage Zusage, dann meldet er sich nicht mehr. So nicht, denke ich mir. Ich melde das bei seinem Vorgesetzten. Das funktioniert. Eine Mail mit einer unverzüglichen Anweisung von oben und ich habe meinen Termin in der Kaserne.

Dienstweg=Königsweg

Am 11. Januar parke ich kurz vor 11 Uhr auf dem Besucherparkplatz der Gebirgsjägerkompanie Bad Reichenhall. Vier Tage bis Bewerbungsschluss. Ich habe einen Termin zusammen mit Birgit, einer Reporterin vom Zündfunk (Bayern 2), sie war auch auf der Journalistenschule. Presseoffizier Schulze will erst, dass wir unsere Interviews zusammen machen. Wir lehnen das ab. Also bekomme ich meinen Rekruten, und sie ihren. Schulze bleibt bei Birgit und ihrem Rekruten, ich bekomme seinen Unteroffizier als Aufpasser für mein Interview mit Rekrut Nummer Zwei. Die Bundeswehr hat uns natürlich eloquente Wehrdienstleistende besorgt. Meiner kommt aus dem Tegernseer Tal. Das ist ja lustig, mein Bruder ist in Tegernsee zur Schule gegangen. Der Rekrut auch. Wann hast du Abi gemacht? 2010. Es stellt sich heraus, dass mir mein Bruder mit etwas mehr Einsatz eine Höllen-Recherche ersparen hätte können. Typisch. Aber was soll’s? Was er denn mal werden will, frage ich den eloquenten Rekruten am Ende des Interviews: Journalist, sagt er.

Die Reportage findet sich hier

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